Montag, 01. Januar 1996
12. - 14. Januar Teilnahme an der Kinderstufenfreizeit des VCP-Thüringen “Auf zu Burg Rieneck” 24. Februar Feier des Thinking Days im Bürgerhaus Drei Rosen 7. - 14. April Stammesfahrt nach Tschechien 23. - 27. Mai Teilnahme am Pfingstlager des VCP-Thüringen an der Burg Lohra 16. Juni Aufräumaktion in der Johanniskirche (Zeltmaterial, etc.) 30.06. - 13.07. Teilnahme an der Fahrt des VCP-Thüringen in die polnischen Masuren 1. - 10. Juli Teilnahme am Landeslager des VCP-Niedersachsen August Teilnahme am polnischen Ranger/Roverlager des ZHP in den Beskieden mit vorheriger Fahrradtour mit dem 22 SDHiSH aus Ostrów Wlkp. 10. August Stammesversammlung in der Johanniskirche 13. - 15. September Mitgestaltung des Jugendkirchentag / auf dem Landeskirchentag in Erfurt 27. - 29. September Mitgestaltung des Gemeindefestwochenendes der Neudietendorfer Kirchgemeinde und der Wolfschluger Partnergemeinde 5. Oktober Hajk der Sippe Gazellen um die Drei Gleichen 5. Oktober Besichtigung der Ersten Bündischen Messe auf Burg Ludwigstein 13. - 15. Dezember Teilnahme am Mitarbeiteraufbaukurs des VCP-Thüringen in Erfurt 21. Dezember Weihnachtsfeier 23. Dezember Mitgestaltung der Aktion Friedenslicht via Jena
Dienstag, 02. Januar 1996
**Fünf Jahre deutsche Einheit - das war 1995 Anlaß für viele Berichte und Umfragen in der gesamten Republik. Der VCP hat seit 1991 einen Landesverband in Thüringen, in dem mehrere Stämme aktiv arbeiten. Grund genug also, einen Stamm nach seiner persönlichen Bilanz zu fragen.
**Auf dem Weg nach Neudietendorf, das westlich von Erfurt liegt, weiß ich noch nicht, daß der Stamm Drei Gleichen sogar doppelt interessant für »Pfadfinden ‘96« ist. Eigentlich bin ich unterwegs, um zu erfahren, wie die Arbeit in den »neuen Ländern« vorangeht. Ganz nebenbei erzählen mir die Rover, daß sie ihren Stamm selbst leiten, seit die Erwachsenen aus verschiedenen Gründen ausgeschieden sind. Das Alter meiner Gesprächspartner liegt zwischen 17 und 19 Jahren. Angefangen hat alles mit einem Lager des VCP-Hessen, das 1991 in Neudietendorf aufgeschlagen wurde. Interesse und Neugier der Jugendlichen im Ort wurden geweckt. Als der Leiter der Christenlehrer nach Interessierten fragte, beschloß man, einfach mal mitzugehen. Viele sind dabei geblieben, »weil’s Spaß macht«. Noch im selben Jahr wurde der Stamm gegründet. Auch das Landesbüro befindet sich in Neudietendorf. 1992 ging es dann »so richtig los«, einen Raum für die Gruppenstunden fand man in der Kirche, das erste Landeslager wurde im sogenannten Fuchsloch veranstaltet, und man begann mit dem Aufbau des Stammes. Als einer der Mitgründer des Stammes aus beruflichen Gründen die Stammesleitung verlassen mußte, gingen nach und nach auch die anderen Erwachsenen. Trotzdem gaben die Jugendlichen nicht auf. Sie übernahmen alle Pflichten selbst. Heute besteht der Stamm Drei Gleichen aus drei Kinder-, vier Pfadfinder und einer Ranger / Rovergruppe. Ein Ergebnis, auf das alle Beteiligten stolz sein können, denn einfach war es für die »Neu-Pfadfinder« nicht. Zuerst stand man vor der Frage, mit welchen Inhalten man die Gruppenstunden füllen sollte. Die Arbeitshilfen sprachen die Jugendlichen nur teilweise an. Eine kleine Hilfe bot allerdings die Erinnerung an die Pioniere. Auf meine Frage, was sie denn bei den Pionieren so gemacht haben, erhalte ich viele Antworten: Zum einen habe man Spiel- und Sportnachmittage gemacht, Diavorträge gesehen und gehört, Ausflüge und Ferienlager veranstaltet und dabei viel Spaß gehabt. Zum anderen gab es da aber auch den lästigen Frühsport auf Lagern und das Problem, daß man bei den Pionieren immer von den Lehrern umgeben war. »Wenn man die Ideologie mal vergißt, dann war das gar nicht so schlecht«, sinnieren die Ranger / Rover. Nach und nach fanden sie schließlich zu den Inhalten, die sie interessieren, und sagen von sich, sie seien »gesellschaftlich kulturell« orientiert. Das zweite und weitaus größere Problem war (und ist bis heute), Eltern und Mitmenschen zu überzeugen, daß die neue Kluft nichts mehr mit den Pionieren zu tun hat und daß man auch sehr gut ohne Erwachsene zurechtkommt. Diese Überzeugungsarbeit ist besonders dann angesagt, wenn es darum geht, Fahrten oder Lager zu veranstalten; denn manche Eltern möchten ihre Kinder eben nur Erwachsenen anvertrauen. Doch das Engagement der Pfadfinder, die sich bei Festen und ähnlichen Anlässen als Helfer anbieten, hat schon viele überzeugt, daß ihre Kinder hier gut aufgehoben sind. Zum Schluß stelle ich der Runde noch unsere »Jahresfrage«: Was würdet ihr verändern wollen? Erstmal herrscht Stille im Raum, aber dann legen die Jungs los. Zuerst mal würden sie das Bundeslager nicht ständig nach hinten verschieben, außerdem wünschen sie sich mehr themengerechtes Diskutieren - die Machtkämpfe auf Bundesebene sollen doch bitte unterbleiben. Einen neuen Raum wünschen sie sich und daß nicht alles immer nur vom Geld abhängt. Einen Wunsch haben aber alle gemeinsam: Sie wollen die Leute überzeugen, daß der VCP nichts Schlechtes ist, keine »paramilitärische Organisation«. Daß die Leute nicht auf der Straße anhalten und ihnen hinterherrufen, daß sie wohl »von gestern« sind.
Annegret Bernhardt, Pfadfinden, Jahrbuch 1996 des Ring deutscher Pfadfinderverbände und des Ring Deutscher Pfadfinderinnenverbände
Mittwoch, 03. Januar 1996
,,…wir sind Pfadfinder, darauf kommt’s an!" So sehen das jedenfalls die Ranger/Rover ausNeudietendorf in Thüringen, wenn es um das Thema „C" imVCP geht.
Mit der Kirche hatten ja die meisten DDR-Bürger nicht viel im Sinn, versichern mir die Jungs. Aber trotzdem gab es da die sogenannte „Christenlehre". Man hörte Geschichten aus der Bibel, es gab Aktionen wie „Brot für die Welt", und natürlich wurde auch gesungen. Sebastian hat schon bei seinem ersten Besuch derartig Kopfschmerzen vom Singen bekommen, daß er dort nie wieder hingehen wollte. „Überhaupt bin ich von Grund auf Atheist", sagt Sebastian. Wie paßt das mit dem VCP zusammen? Nun, die VCPer waren einfach die Schnellsten nach der Wende, der Landesverband Hessen schlug 1991 in Neudietendorf für einige Tage sein Lager auf und weckte so in einigen Jugendlichen im Dorf die Neugier an den Pfadfindern. Der Leiter der Christenlehre sprach außerdem die Jungen an, ob sie nicht mal Lust hätten, in die neue Gruppe zu kommen. „Wir sind dann hingegangen und haben gemerkt, daß es uns Spaß macht’, erzählen die Pfadis. So sind sie dabeigeblieben und halfen, den „Stamm Drei Gleichen" aufzubauen. Inzwischen sind die Erwachsenen nicht mehr dabei, und die Jugendlichen leiten ihren Stamm selbst. Der christliche Aspekt bleibt den neuen VCPern natürlich nicht verborgen, denn immerhin halten sie ihre Gruppenstunden in einem Raum in der Kirche ab und helfen dem Pfarrer ab und zu schon mal beim Vorbereiten des Gottesdienstes. Doch wenn sie merken, daß sie „Missionare" für ihre Landsleute spielen sollen, dann ecken sie mit dem Pfarrer an. Schließlich gibt es in ihren eigenen Reihen genug Jugendliche, die die Kirche nur als Gebäude kannten, das im Dorf steht und an dem man die Uhr ablesen kann. Die meisten wissen zwar heute mehr über Kirche, Religion und Christentum als früher, viele können damit aber nicht viel anfangen. Wenn auf Landeslagern Andachten oder Gottesdienste abgehalten werden, dann geht eben nicht jeder hin, manche üben „vornehme Zurückhaltung" - das wird akzeptiert, es gibt keine langen Diskussionen deswegen. In der Runde gibt es aber auch andere Ansichten, manche sind von Religion und Christentum überzeugt, können sich, so sagen sie, mit den Inhalten identifizieren. Sie wissen, daß Glaubende in der ehemaligen DDR nicht gern gesehen waren, und verstehen, wenn manche ihrer Freunde nicht an Gott glauben wollen oder können. Ich konnte mir - ehrlich gesagt - gar nicht vorstellen, was die Jungs mir da so erzählten. Aber wie sollte ich auch. Wir werden ja damit groß. Unsere Eltern und Großeltern sind (zumeist) Christen, wir haben die Möglichkeit, den Religionsunterricht zu besuchen, wir wurden informiert über das, was in den „Gebäuden mit Uhr" so abläuft. Wir haben kaum die Möglichkeit zu wählen. Erst wenn wir älter sind, machen wir uns Gedanken über Religion und deren Inhalte. Taufe und Konfirmation haben wir dann bereits hinter uns. Die Jugendlichen in den neuen Bundesländern haben vielfach erst nach der Wende Kontakt zur Religion aufgenommen, sie können wählen. Und wie immer sie sich entscheiden, wir sollten es respektieren. Sebastian, genannt Seppel, ist heute Mitglied im VCP. Weil es für ihn darauf ankommt, daß er ein Pfadfinder ist, und dagegen ist das „C" eben „das kleinere Übel".
Annegret Bernhardt, Auf neuem Pfad, 1/1996
Freitag, 12. Januar 1996
Am Januarwochenende vom 12. bis 14. Januar fanden sich Pfadis des Stammes Roter Fuchs (Eisenach) und des Stamm Drei Gleichen (Neudietendorf) in einem Zug wieder, der Richtung Bayern fuhr. Das Ziel konnte natürlich nur die ultimative VCP-Pfadiburg Rieneck sein.
Auf der Burg mit einem siebeneckigen Turm und der Umgebung gab es natürlich jede Menge zu erleben. So war da ein Eröffnungsabend mit einem verzweifelten Regisseur, Gruselgeschichten, Liedern, und Alfons-Zitterbacke-Gute-Nacht-Geschichten, ein Ausflug nach Würzburg, wo im “Nautiland” die Wasserrutsche nicht nur einmal getestet wurde, sich ein FC-Bayern-München-Laden kaum vor Besuchern retten konnte und MC-Donalds wahre Wunder erlebte, eine Aufnahmefeier, wo vier Neupfadis das rotweiße Tuch überreicht bekamen, eine Disco mit jeder Menge Tanzeinlagen sowie ein Geländespiel bei dem es tolle Preise gab. Desweiteren kamen der burgeigene Kickerautomat und die Tischtennisplatten kaum zur Ruhe und die Nächte waren meist lang. Und auch wenn sich nicht alle leiden konnten, wurden auch ein paar Freundschaften geknüpft.
Hendrik Knop
Donnerstag, 23. Mai 1996
Auch in diesem Jahr fand vom 23. bis 27. Mai wieder ein Pfingstlager des VCP Thüringen statt, diesmal in der Nähe von Obergebra (Nordthüringen). Unter dem Motto “Es ist nicht alles eitel Gold, was glänzt auf der Sagenburg des Bergfrieds von Lohra” trafen sich rund 60 Pfadis und wißbegierige Pfadi-Interessenten aus Erfurt, Mannstedt, Merkers-Kieselbach, Neudietendiorf, Sollstedt, Suhl und Trusetal.
Während die einen ihre Zelte ziemlich schnell aufgebaut hatten und es dann etwas ruhiger angingen, herrschte bei anderen das totale Chaos, welches bis in die tiefe Nacht anhalten sollte. Auch in diesem Jahr meinte es Petrus besonders gut mit uns. Fast schon hektoliterweise prasselte der Regen auf uns nieder. Doch wie schon bei den ganzen Pfingstlagern zuvor, gewöhnten sich alle Teilnehmer mehr oder weniger schnell an dieses “Prachtwetter”. Eine Überraschung wartete auf alle am Freitag - Aufbau einer Dreierjurte bei strömenden Regen! Zunächst erfolgte der Aufbau nur durch ein paar freiwillige Helfer, dann sollten/ mußten die anderen Pfadis ebenfalls freiwillig mithelfen. Bis spät in den Abend wurden Planen gespannt und hier und da ein wenig improvisiert. Als das Zelt endlich stand, waren alle entweder stolz oder heilfroh. Die Thüringer hatten es mit eigener Kraft geschafft, ein derartiges Großraumzelt aufzubauen! Und das ohne bautechnischne Lagerkenntnisse! Eine Meisterleistung schlechthin! Am nächsten Tag wurde ein großangelegter Geländelauf durch die Hainleite nach Hainrode veranstaltet. Mehrere Gruppen liefen auf einem Naturlehrpfad durch die Hainleite und versuchten, die ihnen gestellten Aufgaben über Natur, Allgemeinwissen, aber auch über die Sage des Schlangenkönigs zu lösen. Dies alles war nötig, um einen sagenumwobenen Schatz finden zu können, der dann auch von allen Gruppen gefunden worden ist. Anschließend konnten sich einige Pfadis auf einem Ponyhof oder auf einem Baggersee austoben. Auf dem Rückweg zum Lager gab es kaum nennenswerte Ereignisse: ein paar Gruppen wurden von einem Unwetter überrascht und eine Gruppe hatte scheinbar leichte Orientierungsprobleme, ein Suchtrupp wurde aber dennoch nicht nötig. Letztendlich gelangten alle überglücklich und vor Nässe triefend im Lager an. Natürlich gab es auch noch andere Höhepunkte auf dem Pfingstlager. So zum Beispiel die etwas verspätete Lagereröffnung mit dem riesigen Bankett. Da kam es leider zu einigen Tumulten, da etliche Anwesende mit dem modus operandi, der Verteilung des Essens, nicht einverstanden waren. Proteste wurden nicht beachtet, im Gegenteil, es hatte sogar den Anschein, als ob man den protestierenden Pfadis das Reden verbieten wollte. War dies etwa die Rache der Lagerleitung für das unkooperative Verhalten dieser Pfadis beim Zeltaufbau? Als nächstes wäre da die hervorragende Gespensternacht zu nennen. Einzelne Gruppen wurden auf den “Pfad des Schreckens” um die Burg Lohra geführt, bevor sie in ein düsteres Gewölbe mußten, um dort einen Schlüssel zu suchen, der wiederum nötig war, um eine Schatzkiste öffnen zu können. Ein kurzes Schauspiel über die Burg sowie das darauf folgende Treffen der gesangfreudigsten Pfadis und Pfadi-Interessenten, daß bis spät in die Nacht dauerte, krönten diesen Abend. Zuletzt wäre da noch der besinnliche Gottesdienst am Pfingstsonntag zu nennen, der bei der großen Mehrheit einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Stefan Winzer
Sonntag, 30. Juni 1996
Die Überschrift sagt eigentlich schon viel, über unsere Reise, die allen sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.
Es begann am 30.06.1996 in Kassel. 5 “finstere” Gestalten trafen sich um in einen klapprigen, polnischen Luxus-Bus einzusteigen: Samuel aus Erfurt, Sandra aus Töttelstädt, Mülli aus Kornhochheim, Michaaus Meiningen und ich aus Apfelstädt, Harry. Wir sind also bis Bydgoszcz gefahren, kamen 5 Uhr morgens an und waren erst einmal völlig übermüdet. Von dort aus sind wir mit einem Linienbus zu unserem Anfangsort gefahren. Dort haben wir dann unsere Kanus in Empfang genommen und begannen unsere Tour. Unser angestrebtes Ziel schafften wir nicht, weil sich das Wetter gegenüber der ersten Woche in der zweiten verschlechterte. Als Micha kenterte, pausierten wir einen halben Tag, um seine Klamotten zu trocknen. Als am nächsten Tag noch Mülli und Sandra kenterten, war die Stimmung ganz hin. Unsere Lebensmittel waren weniger geworden, immer das Boot mit den Lebensmitteln! Aber auch Micha hatte einige Verluste, zum Beispiel seine Kamera und seine Brille, sein einzigstes Paar Schuhe, seine Jacke und seine Gitarre. Wir haben polnische Pfadfinder und eine Schulklasse kennengelernt, die uns geholfen haben. Ein wenig peinlich war es schon. Die letzen zwei Tage verbrachten wir dann in einer Jugendherberge. Endlich wieder eine Dusche und eine Toilette! Am 13.07.1996 ging es dann wieder Richtung Heimat. Polen war für uns eine große Herausforderung gewesen und hatte uns eine Menge Erfahrungen eingebracht.
Thomas Macheleid
Montag, 01. Juli 1996
Und tatsächlich hatten sich 16 Thüringer Pfadis zusammengefunden, um am Landeslager des VCP- Niedersachsen vom 01. bis 10. Juli teilzunehmen.
Als sich gegen 6.00 Uhr die Mannstedter, 7.00 Uhr die Neudietendorfer und 8,00 Uhr die Sollstedter trafen, waren sie relativ verschlafen. Aber dies änderte sich bald, als wir hochmotiviert den 2 km langen, vom Wasser und Schlamm geprägten Weg zum Lager antreten durften. Auf derr Lager angekommen mußten wir noch auf unsere Kisten mit den Zelten warten. Als diese dann gegen 15.00 Uhr ankamen, bauten wir unsere Zelte auf und schritten dann zur Lagereröffnung. Hier feierte das Lagerlied Premiere, außerdem gab es ein “Sockenhaftes” Kennenlernspiel und die Lagerleitung erklärte uns Örtlichkeit(en) und Wesen der Programmzentren. Unser Lagerleben war vom Zeltaufbau, Feuer machen, selber Kochen, Singen und Kontakte knüpfen geprägt. Besondere Höhepunkte waren unser individuell ausgelegter Hajk zur Pfadfinderburg Ludwigstein, hier übernachteten wir im Turm, trafen eine Jungschar aus Hamburg und badeten im eingebauten Hallenbad, eine Erkundung in das ehemalige NS-Arbeitslager Hirschhagen, ein Außenlager von Buchenwald wo Sprengstoff produziert wurde, der Gottesdienst, die Pastorin lief mit einer Lilie im Haar und Tramperschuhen über den Platz, der Markttag, bei der Aufführung des Zirkus “Meyer-Mumpitz” wurde ein 20-DM-Schein verheizt und wieder herbeigehext und unsere Teilnahme an den Landeswassersockenspielen, wo wir mit Socken an Händen und Füßen nicht nur um die Wette schwammen. Als das Lager mit der Schlußveranstaltung zu Ende ging, waren wir uns einig: Trotz nasser Klamotten und schlechtem Wetter hat sich die Teilnahme an diesem gigantischen Lager gelohnt.
Christoph Gnodtke
Donnerstag, 15. August 1996

Diskussionen über Deutsche und Polen: Vor einem Mahnmal zum Gedenken an Opfer des zweiten Weltkrieges
Da ich von der Leitungsfunktion auf mehreren Lagern die Nase gestrichen voll hatte, denn dadurch erlebt man meist nur die Hälfte des “Camps”, lies ich mich im August - völlig allein- auf ein größeres Abenteuer ein.
Eine Nachricht im “AnP” brachte mich auf die Idee, an einem Ranger/Roverlager in den Beskieden, einem polnischen Gebirge im Dreiländereck Polen-Slowakei-Ukraine, teilzunehmen. Da ich nun wiederum aber nicht völlig alleine fahren wollte, schloß ich mich einer polnischen Gruppe aus Ostrów Wlkp. an, die mich außerdem - sozusagen vorneweg zu einer Fahrradtour einlied. Um mit der Gruppe zusammen zu starten, begab ich mich also zuerst in den besagten Ort. Dieser war für mich aber auch nicht völlig belanglos, da ich hier 1989, damals im Rahmen einer Pionierfahrt, zum ersten Mal Pfadfinder kennenlernte. Daher besichtigte ich auch noch einmal den damaligen Lagerplatz, wo ich deutsche Pfadfinder der DPSG-Niedersachsen antraf. Nach einer Übernachtung in einer Gastfamilie und einer 18stündigen Zugfahrt trafen wir in Lesko, mitten in den Beskiden ein, wo wir unsere 120 km lange Fahrradtour starteten. In dieser einwöchigen Tour gab es viele gute Erlebnisse, aber auch Diskussionen über “Deutsche” und “Polen”. Das Ziel war dann, wie oben schon erwähnt, das 13. nationale Ranger/Roverlager vom 25. bis 28. August 1996 des polnischen Pfadfinderverbandes ZHP in Wetlina, welches vom polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski eröffnet wurde. Unter den 3000 Teilnehmern befanden sich außer den Gästen aus Finnland, Weißrußland, Litauen, Großbritannien, der Ukraine, Norwegen, und Österreich auch der BdP-Stamm Navajo aus Kassel. Neben dem allgemein pfadfmdertypischen Programm ragten der Apell, ein Computerzentrum, ein Livekonzert und eine klasse “Lasermusikalshow” mit anschließendem Lichterlauf hervor. Außerdem war die große polnische Gastfreundschaft - nicht nur auf dem Lager - einzigartig.
Hendrik Knop
Freitag, 13. September 1996
“Wir können auch anders” war das Motto des Jugendkirchentages vom 13. bis 15. September auf dem Landeskirchentag in Erfurt. Können denn Pfadfinder auch etwas anderes als Pfade suchen und zu finden, am Lagerfeuer zu sitzen u.s.w.? Ja, sie können!
Das bewiesen wir, nachdem die Idee gereift war, in einer Jurtenburg ein Pfadfindercafe zu eröffnen. Um die Idee in die Tat umzusetzen, trafen sich Pfadis aus Erfurt, Neudietendorf, Merkers und Mannstedt in Erfurt und trotz aller bösen Vorzeichen und Ahnungen (schließlich war es Freitag, der 13.) ging der Aufbau schnell und reibungslos vonstatten. Nach einem leckeren Frühstück am nächsten Morgen (den Kuchen spendierte Micha, wofür wir ihm nochmal herzlich danken) wurden die Aufgaben verteilt und letzte Vorbereitungen getroffen, um unsere Gäste in einem gemütlich eingerichteten Cafe begrüßen zu können. Nun konnte der erste “Ansturm” kommen. Das Angebot war überwältigend. Neben frisch gebrühten Kaffee, leckeren Kuchen (von vielen Pfadis, Muttis, Omas liebevoll gebacken) und Getränken zu Wahnsinnspreisen, wurde natürlich auch mit viel Infomaterial und in persönlichen Gesprächen über unsere Pfadfinderarbeit informiert und sicher manches Vorurteil abgebaut. Als am Nachmittag nette Cafehausmusik von der Gruppe “Hot Strings” erklang, waren wir doch überrascht, wie viele den Pfad zu dem etwas anderen “Pfadi-Cafe” fanden. Alles in allem war es ein gelungenes Wochenende und wir möchten uns noch einmal im Namen aller bei denen bedanken, die dazu beigetragen haben.**
Heike Baur & Kathleen
Samstag, 05. Oktober 1996
**Als wir, die Sippe “Gazellen” vom Stamm Drei Gleichen uns am Sonnabend, dem 05.10.1996, um 9.30 Uhr am Neudietendorfer Bahnhof trafen, wußten wir noch nicht, was uns bevorstand. **
Nach einer kurzen Bahnfahrt nach Wandersieben steuerten wir zielstrebig die Wanderslebener Gleiche, eine Burg der “Drei Gleichen”, an. Als wir am Fuße des Burgberges ankamen, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe wählte den normalen, öffentlichen Weg. In dieser Gruppe waren Stefan Seidel und Marcus Reinhardt. Die zweite Gruppe, welche aus Kai Dienemann, Sabine Währisch und Christoph Gnodke als Sippenleiter bestand, wählte den schnelleren, aber beschwerlicheren Weg. Nach einer kurzen Besichtigung der Burg fanden wir einen Aufenthaltsraum, in dem wir uns Büchsenravioli und Büchsentomatensoße zu Gemüte führten. Aufgrund des Streikes eines einzelnen Mitglieds konnten die Anderen mehr essen. Diese Gelegenheit nutzten aber nicht alle, sodaß sich im Endeffekt nur der Gruppenleiter und einige wenige Vögel freuen konnten. Damit wurde wieder ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der Nahrungskette getan. Denn Vogel frißt Ravioli, Katze frißt Vogel, stirbt an Ravioli, verottet und zerfällt zu Staub, aus dem dann wieder ein Blumenkohl wächst und den ißt dann der Mensch.Themawechsel! Nach dem Essen verschanzten wir uns im Burgkeller und erschreckten harmlose Touristen. Nach der ersten Burg gingen wir zu einer weiteren Gleiche, der Mühlburg. Auf der Mühlburg fand dann die Aufnahme von Stefan Seidel und Marcus Reinhardt sowie die Übernahme von Kai Dienemann und Sabine Währisch aus der Kinderstufe in die Pfadfinderstufe statt. Gegen 15.00 Uhr begannen wir mit dem Abstieg und kamen um 16.45 Uhr auf dem Bahnhof in Wandersleben an. Als wir 17.10 Uhr in Neudietendorf zurück waren, waren wir geschafft, aber auch glücklich.**
Christoph Gnodtke
Sonntag, 06. Oktober 1996
**Da kommt es doch immer wieder mal vor, daß die eine Kothe zu klein geworden ist und man eine neue braucht oder ein paar Planen für die nächste Jurtenkonstruktion fehlen. **
Also schlägst Du den F&FKatalog auf, und … - Halt!, da gab es doch in der letzten “Hüt’es” noch einen anderen Schwarzzeltanbieter. Ach ja, und auch so hat sich auf dem “Pfadfinderoutdoorsektor” eine ganze Menge getan. Jetzt steht nur noch die große Frage, welches Unternehmen die besseren Planen anbietet. Um dieser Frage nachzugehen, haben Friedericke, Marie-Therese, Christian und Christine Bellinghausen samt mir, am 6. Oktober die “Erste Bündische Messe”, organisiert durch die Pfadfinderzeitschrift: ‘Der Eisbrecher" auf Burg Ludwigstein (unweit von Kassel an der Werra) besucht. Hier standen sich nun die großen Konkurrenten Strohmeyer (F&F-Vertrieb) und Troll gegenüber. Strohmeyer stellte neben der neuen Wanderkothe auch die neue Superjurte vor. Beide Varianten bieten fast 50% mehr Raum als ihre Vorgänger. Troll glänzte mit seinen Verbesserungen. Die große Neuerung sind gegenüber den herkömmlichen Zelten, daß die Knopfleisten auch durch Schlaufen ersetzt wurden (leichterer Aufbau) und außerdem die Dachplanen der Jurte nicht mehr so “durchhängen”. Der große Vorteil entpuppt sich, jedoch als Problem, wenn man die Planen beider Hersteller kombinieren will. zwar sind die Dreiecksplanen (Kohtenplanen) kompatibel, für das Anknüpfen von Seitenplanen an der Jurte werden aber Adapterplanen benötigt. Positiv aufgefallen ist uns, daß die beiden Hersteller auf einander zugegangen sind, um die Kohten und Jurten zugunsten von uns, weiter anzugleichen. Neben den Zeltausstellern stellten im übrigen auch noch Rüsthäuser and Verlage ihre Waren vor.**
Hendrik Knop
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