VDAPG

Verband Deutscher Altpfadfindergilden e.V. Gilde Drei Gleichen

Chronik: 1993

Überblick

Freitag, 01. Januar 1993

Bernd Kramer auf dem Gaulager des VCP-Gau Teck (Württemberg) in Rhens

Bernd Kramer auf dem Gaulager des VCP-Gau Teck (Württemberg) in Rhens

Februar Seminar: “Mauer des Schweigens” und Landesversammlung im Zinzendorfhaus Neudietendorf 22. März Erste Sippenstunde der Sippe “mustela erminea”; Gruppenleiterin: Christine Bellinghausen März / April Survival - Experte Rüdiger Nehberg in Neudietendorf 20. - 22. Mai Vorbereitungslager England in Trusetal 20. - 22. Mai Bundesversammlung des VCP in Neudietendorf 27. - 31. Mai Teilnahme am Pfingstlager des VCP-Thüringen in Trusetal 2. - 4. Juni Kinderstufenfreizeit in Friedrichroda 10. & 11. Juni Jugendtreffen aller christlichen Jugendgruppen des Kirchenkreises Gotha Sommer Teilnahme am Gaulager des VCP-Gau Teck (Württemberg) in Rhens Sommer Teilnahme am “Windsor International Guide and Scout Camp” in England mit dem VCP-Thüringen 25. - 26. September Teilnahme am Neudietendorfer Waidfest 23. Oktober Wanderung mit Aufnahme in den VCP auf die Wanderslebener Burg Gleichen der Sippe “mustela erminea” 26. - 28. November Courage-Seminar des VCP-Thüringen in Friedrichroda Dezember Waldweihnacht in der Kirchgemeinde Apfelstädt zusammen mit dem Stamm Mechterstädt


Wahl eines neuen Stammesführers

Montag, 26. April 1993

Reinhard Zeng und Harald Führ

Reinhard Zeng und Harald Führ

** Am 26. April 1993 hatten wir dazu eingeladen, einen neuen Stammesführer zu wählen.**

Die Anwesenden und einige Briefwähler sprachen sich nach dem Rücktritt von Harald Genzmar dafür aus und bestätigten das durch eine geheime Wahl, daß ab sofort Reinhard Zeng unser neuer Stammeshäuptling ist. Harald Führ ist sein Stellvertreter. Kurznachrichten:

  1. Die Kinderarbeit unseres Stammes läuft recht gut. Hendrik Knop, auch Knopi genannt, betreut die Kleineren.
  2. In Apfelstädt gibt es durch das wagemutige Vorgehen von Winzi und Machi ebenfalls eine neue Sippe, die Experten.
  3. Finden sich vielleicht noch 2, die in Ingersleben eine Sippe gründen und betreuen wollen. Vermittlung über Bernd.
  4. Bitte unbedingt vormerken: Am 10 und 11. Juli findet im Pfarrhof Apfelstädt das diesjährige Jugendtreffen aller christlichen Jugendgruppen des Kirchenkreises Gotha statt. Wir wollen eine Jurte aufbauen und Werbung in eigener Sache machen. Es wird an diesem Wochenende viel los sein.Übernachtung möglich.

Gut Pfad wünschen Euch Reinhard und Harald


Komm wir gehen Indianer schießen " - Rüdiger Nehberg in Neudietendorf

Samstag, 01. Mai 1993

** Gemeinsam mit dem Survival - Experten Rüdiger Nehberg stürtzten sich mehr als 150 Zuschauer aus Neudietendorf und Umgebung in der Aula des Gymnasiums in ein ungefährliches Abenteuer.**

Eingeladen hatte der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder - Stamm Drei Gleichen sowie weitere Jugendliche aus Neudietendorf und Apfelstädt. Mit seinem Diavortrag über die programmierte Ausrottung der Yanomami - Indianer und die Vernichtung des Regenwaldes machte der Überlebenskünstler schon bald deutlich, daß er wohl zu Recht als Deutschlands Abenteurer Nummer 1 und Einzelkämpfer für Menschenrechte und Naturschutz gilt. “Komm, wir gehen Indianer schießen - Indianer töten ist wie Affentöten.” Mit solchen Zitaten brasilianischer Goldsucher - Mafiosi, teilweise drastischen Bildern der Opfer und Berichten von Mord und Vergewaltigung nahm er dabei kein Blatt vor den Mund. Andererseits verstand er es in professioneller Manier, seine Schilderungen immer mit flotten Sprüchen zu “entschärfen” und seine Zuhörerinnen und Zuhörer zum Lachen zu bringen. Jedoch ließen spürbares Schaudern und blasse Gesichter vermuten, daß ein gebratener Regenwurm doch nicht für jeden etwas ist. Die Großaufnahme eines sich ins Meer übergebenden Nehberg verursachte ein Aufstöhnen in den Reihen, ebenso die Bananen- suppe der Indios mit eingestreuter Asche der Toten, die sich Nehberg schmekken ließ. Von klein auf, reise- und abenteuerlustig, widmete sich Nehberg schon bald intensiv dem Surivaltraining. Seine Übungen gipfelten sich schließlich in einem fernsehverfilmten Tausend -Kilometer-Fußmarsch quer durch Deutschland. Waren zunächst Neugier und Abenteuerlust seine Haubtmotive gewesen, verlagerten sich die Schwerpunkte seiner Beweggründe immer mehr zum “Abenteuer mit Sinn”. Seit zehn Jahren setzt Nehberg seine Fähigkeiten mit spektakulären Aktionen für die Yanomami - Indianer und deren Regenwald im Norden Brasiliens ein. Er gehört dem Beirat der Gesellschaft für bedrohte Völker an und wird von den Umweltschutzorganisationen Greenpeace, World Wildlife Found (WWF) und Robin Wood ebenso unterstützt wie durch Misereor, das Rote Kreuz und die Welthungerhilfe. Eine Wüstendurchquerung in Eitrea und eine Tretbootfahrt über den Atlantik gehörten ebenso zu seinen Unternehmungen wie ein Fuß - Bittmarsch zum Papst oder eine Demonstration vor dem weißen Haus in Washington. Schon fünfmal hat Nehberg inzwischen gefährliche Expeditionen zu den Yanomamis überstanden. Doch der 58 Jahre alte Abenteurer denkt noch nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen.

Hendrik Knop


Nicht nur 20 Teilnehmer, sondern 20 Freunde - Vorbereitungslager England (20. - 22. Mai)

Donnerstag, 20. Mai 1993

Vorbereitungen für das

Vorbereitungen für das "Windsor International Guide and Scout Camp" in Brotterode

Es war an einem schönen, sonnigen Freitagvormittag im Mai 1993, als sich 3 Pfadfinder (Marcus, Quinc und Harry) auf den Weg nach Brotherode machten. Die Reise war durchaus schlecht organisiert, denn als wir an einer recht verlassenen Bushaltestelle  in Trusetal standen, mussten wir leider feststellen, dass ausgerechnet an diesem Tag der Bus nicht fuhr.

Also machten sich die 3 Freunde, samt schwerem Gepäck, zu Fuß auf den Weg. Aber schon nach kurzer Zeit stellten sich die ersten Schwierigkeiten ein und es kam zu einem Streit unserer 3 Gefährten. Harry und Marcus war die alte „Berndkiste“ zu schwer und der Weg zu weit, also beschlossen sie es mit trampen zu versuchen. Quinc, gar nicht begeistert, machte sich allein mit dem Topf auf den Weg. Marcus und Harry fanden leider niemanden, der zwei Pfadfinder und eine ominöse Holzkiste mitnehmen wollte. Also mussten sie doch den ganzen Weg laufen. Quinc seinerseits hatte auch wenig Glück, denn er kam erst kurz vor Sonnenuntergang im Lager an. Er hatte sich zwischendurch verlaufen. Steffen P. war sicherlich der glücklichste von den Neudietendorfer Pfadfindern an diesem Tag, denn er wurde am Abend von seinem Vater mit dem Auto aufs Lager gebracht. Am Lager selbst nahmen ca. 20 Pfadfinder vom Stamm Krayenberg und dem Stamm Drei Gleichen teil. Unsere Zelte bauten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und fühlten uns richtig gut. Zur Begrüßung aller Teilnehmer gab es Reissuppe (mehr Reis als Suppe). Am zweiten Tag wurden wir alle in verschiedene Gruppen aufgeteilt (Kochen, Holz hacken,…) Nachmittag machten wir eine längere Wanderung mit Micha. Wohli und Steffen P. machten ihre eigene Wanderung. Zu den Mahlzeiten sprachen wir Englisch. Schließlich sollte uns dieses Lager auf das Sommerlager in England vorbereiten. Die Abende begingen wir mit Gitarre und Gesang bis Tief in die Nacht. Am dritten und letzten Tag waren erst die Milch und dann die Pfadfinder sauer. Denn Cornflakes mit Ketchup oder Marmelade war nicht gerade ein motivierendes Frühstück zum Lagerabbau. Und so bauten wir schlechtgelaunt und bei Regen unsere Zelte ab. Erfreulicherweise konnte der Vater von Steffen unser Material mit dem Auto zurückfahren. Als dann alle wieder zu hause waren, war der Kühlschrank nach 30 min leer und das Bett wurde für weitere 5 Stunden gemietet. Das Vorbereitungslager England war sicherlich eines der unorganisiertesten aber auch eines der schönsten Lager, die ich je mitgemacht habe. Es war ein gemütliches Kuschel - und Kennlernwochenende für alle die, die später auch nach England fahren sollten. Und am Ende waren es nicht nur 20 Teilnehmer, sondern auch 20 Freunde die den Lagerplatz in Brotherode verließen.

Thomas Macheleid


VCP-Bundesversammlung 1993 in Neudietendorf

Freitag, 21. Mai 1993

Abendprogramm auf der Bundesversammlung

Abendprogramm auf der Bundesversammlung

** Vom 21. bis 23. Mai fand im Neudietendorfer Zinzendorfhaus die Bundesversammlung des VCP statt. Auf dieser Delegiertenversammlung mit Mitgliedern aus ganz Deutschland feierte der VCP auch sein 20jähriges Bestehen.**

Auf der Geschichte will sich der Verband aber nicht ausruhen, weshalb auch ein neuer Aufbruch zu verspüren war. Die Verbandsstrukturen wurden auf den Prüfstand gestellt. Mit Hilfe eines unabhängigen Instituts soll eine neue Arbeitsgrundlage innerhalb des Verbandes entstehen. Ein neues Konzept wurde auch für das nächste Bundeslager erarbeitet werden. Thema auf der Versammlung war auch das Problem der Halstuchfarben Rot und Blau in den neuen Ländern, weshalb eine Übergangslösung für eine Zeit von 5 Jahren verabschiedet wurde, in der sich Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin-Brandenbug und Sachsen-Anhalt eigene Halstücher verwenden können. Die Gastfreundschaft des Zinzendorfhauses und des Gymnasiums wurde gerne angenommen, wofür ein Dank galt. Auf der VCP-Bundesversammlung hielt der Landesjugendpfarrer von Thüringen Christard Wagner ein Referat über die Lebenssituation von Jugendlichen in den neuen Bundesländern, wo er auch auf die Chancen für den VCP einging: “Zum Schluß mochte ich noch einige Beobachtungen, Erwartungen und Wünsche an den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder richten, so wie ich sie selbst habe, aber auch, wie sie mir aus der Gesamtheit der Ev. Jugendarbeit in Thüringen entgegenkommen. Auch wenn sich inzwischen in bestimmten Kreisen das Kürzel VCP bekanntgemacht hat, gibt es immer wieder Jugendmitarbeiter, die, wenn sie von Pfadfindern hören, erstaunt fragen:„ Was, da gibt es auch christliche?” Manche von uns, die inzwischen schon Kontakt mit dem VCP bekommen haben, haben aus unterschiedlichen Gründen noch Schwierigkeiten, mit dessen Erscheinungsbild klarzukommen. Immer wieder gibt es Kopfschütteln und erstauntes Nachfragen, daß solche Begriffe wie: Gau, Rotte, Sippe usw. noch im Sprachgebrauch sind. Die vielerorts anzutreffenden Vorurteile, daß Pfadfinder in ihren gestylten Uniformen und diesen gestrigen Begriffen nationalistische und militaristische Traditionen fortführen wollen, müssen ernstgenommen werden. Dies ist keine taktische, sondern eine inhaltliche Frage, denn nach Descartes heißt es: „Sein ist wahrgenommen werden." Ein Spezialproblem in diesem Zusammenhang ist das berühmte blaue Halstuch. Vorweg muß ich sagen: Mein Sohn, Mitglied einer „Rotte", hat keinerlei Schwierigkeiten mit dem blauen Halstuch und ist ganz scharf darauf. Aber: Er ist ein „Nachwende-Schüler". Uns etwas Älteren macht es schon gewaltige Schwierigkeiten, so viele junge Menschen, wie ich sie hier vor mir sehe, in blauen Halstüchern zu sehen. Im Kopf ist zwar alles klar, aber Sie wissen auch, der Bauch und das Herz haben weitaus mehr Bedeutung, als wir es uns oft zugestehen. Auch wenn Sie gute Gründe anführen können, Ihre Tradition aufrecht zu erhalten, traue ich Ihnen zu, die neue, durch die spezielle Geschichte der Jungpioniere entstandene Situation in den Blick zu nehmen und eine kreative Lösung zu finden. Ob Sie es wohl schaffen, über Ihren Schatten zu springen und eine bunte Lösung zu finden? Sie würden es sich und vielen damit leichter machen. Eine weitere, durchaus spannende Frage lautet: Erwächst uns durch die Pfadfinder Konkurrenz? Meine erste Antwort darauf heißt: Die Aufgaben sind so immens, die Notwendigkeit christlicher Jugend- und Kinderarbeit ist so groß, daß wir uns nur über alle freuen können, die diese Aufgaben sehen und anpacken. Unübersehbar bleibt natürlich, daß alle Jugendverbände sich um eine relativ kleine Bandbreite von Jugendlichen kümmern, die bereit sind, sich auf verbindliche Strukturen einzulassen. Sie wissen, daß diese Bereitschaft in den neuen Ländern noch geringer ist als in den alten Bundesländern. Die Einführung des Religionsunterrichtes hat leider zur Folge, daß immer weniger Kinder den traditionellen Christenlehreunterricht, der in die Gemeinde führt, besuchen. Das bedeutet, daß andere Formen der kirchlichen Arbeit mit Kindern eine zunehmende Bedeutung gewinnen. Dazu zähle ich auch die Pfadfinderarbeit. Kinder sollen auch in der Freizeit auf spielerische Art und Weise zum Glauben ermutigt und zu einem verantwortungsvollen Leben geführt werden. Da dies in vielen Gemeinden eine Überforderung der Mitarbeiter bedeutet und auch das spezifische Angebot der Pfadfinderarbeit bisher keine Rolle gespielt hat, sehe ich das Angebot der christlichen Pfadfinder als eine begrüßenswerte Erweiterung kirchlicher Angebote an. In Thüringen werden z.Zt. in ungefähr einem Drittel der Gemeinden Junge-Gemeinde-Angebote gemacht. Das bedeutet, daß es sehr viele weiße Flecken für andere Formen christlicher Jugendarbeit gibt. Daher ist das Engagement des VCP überall dort erwünscht, wenn der Anspruch, den der VCP für sich erhebt, nämlich als Teil kirchlicher Jugendarbeit in die Gemeinde zu führen, wahrgenommen wird. Reibungspunkte kann ich nur dort entdecken, wo es schon Junge Gemeinde oder andere evangelische Jugendarbeit gibt. Hier heißt die alles entscheidende Frage: Arbeitet der VCP mit der vorhandenen evangelischen Jugendarbeit zusammen, oder installiert er eine Konkurrenz? Letzteres wäre sehr schade, denn ich kann ohne weiteres die Chancen einer gemeinsamen evangelischen Jugendarbeit vor Ort entdecken und habe auch von solchen Erfahrungen gehört. Es liegt nun ganz in der Hand der Verantwortlichen vor Ort, wie sich das Verhältnis von traditioneller Jugendarbeit und VCP-Arbeit gestaltet. Ich wünschte mir, daß die Ehrenamtlichen des VCP, die in neuen Orten Gruppen gründen wollen, dies gemeinsam mit der Jungen Gemeinde, dem Pfarrer oder dem Jugendwart oder den jeweiligen Verantwortlichen vor Ort planen, daß Gemeinsames wächst und für die vielen Jugendlichen, die auf Angebote warten, ein breites Angebot in Gemeinsamkeit geschaffen wird. Ich danke Ihnen, daß Sie mich zu Ihrem Bundestreffen eingeladen haben, heiße den VCP in Thüringen herzlich willkommen und freue mich, daß wir gemeinsam an der einen Sache arbeiten."

Auf neuem Pfad, 1993


Erster Feuertisch in der Stammesgeschichte: Pfingstlager vom 27. bis 31. Mai in Trusetal

Donnerstag, 27. Mai 1993

Frühstück auf dem Trusetaler Pfingstlager

Frühstück auf dem Trusetaler Pfingstlager

** Das zweite Pfingstlager des VCP-Thüringen. Organisiert wurde es in diesem Jahr vom Trusetaler Stamm „Fuchs von Wallenburg“ und dessen Koblänzer Partnerstamm „Hermann von Salza“. Vom Stamm Drei Gleichen waren die Sippe „Die Experten“ und die Ranger/Roverrunde „Strategen“ vertreten.**

Der erste Abend des Lagers (Donnerstag) wurde nach dem Hintransport am Nachmittag auf den Lagerplatz in der Nähe von Trusetal, unter anderem mit Hilfe eines Trabants, für den Aufbau der Jurte und schließlich für die Zubereitung des Essens über einem Lagerfeuer, verwendet, um schließlich die erste Nacht fast allein auf dem Platz zu verbringen. Geweckt wurden die Pfadis am Freitag dann durch Kühe vom Nachbarzelt. Die Frühstücksmilch bevorzugten sie dann allerdings doch lieber aus der Tüte. Gestärkt davon, wurde das Zelt dann noch mal umgebaut, der erste Feuertisch in der Geschichte des Stammes angelegt und die Jurte des Stammes Krayenberg aus Merkers-Kieselbach angebaut. Am Nachmittag wurde Trusetal erobert und am Abend erschien dann der Koblenzer Stamm mit einem Reisebus, den man beim Aufbau mit half (Verpflegungstechnisch übertrieb das auch eine Person etwas). Gegenseitiges Kennenlernen mit Spielen und Singsang prägten den Abend um sich dann am Sonnabend und Sonntag auf das mitgebrachte Programm der Rheiland-Pfälzer einzulassen, welches in einer Lagerzeitung festgehalten wurde: Der Pfadilauf: Samstagnachmittag fand ein Pfadilauf zur Erlernung und Vertiefung pfadfinderischer Grundkenntnisse statt. Es gab acht verschiedene Stationen. In acht Gruppen aufgeteilt liefen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder diese ab. An der ersten Station wartete Johannes Richard auf die Pfadis, um ihnen grundlegendes Wissen über Orientierung und über den Kompaß zu vermitteln. Darauf folgte Daniel Friedrich, der aus dem Leben von Robert Stephenson-Smith Baden-Powell Lord of Gilwell (genannt BiPi), dem Gründer der Pfadfinderschaft. Weiter erläuterte er die Entstehungsgeschichte des VCP und seiner Vorgängerorganisation, der CP (Christliche Pfadfinderschaft). An der nächsten Station wurden den Pfadis neue Lieder von Peter beigebracht. Neben geistlichem wurde auch bündisches Liedgut wie “Roter Mond” vermittelt. Dann wurde das Bauen von Olgen (Zelt aus einer Kohtenplane) und Doppelolgen, sogenannte Loks von Götz Giermann erklärt. An der fünften Station berichtete Maik über das Anzünden von Feuer, verschiedenen Feuerarten sowie der unterschiedlichen Brennbarkeit verschiedener Hölzer. Danach wurde den Pfadis von Christoph veranschaulicht, was man bei kleineren Wunden bis hin zu Arm- oder Beinbrüchen als Erste Hilfe zu tun hat. Als vorletzte berichtete Luzie Nitsch über das Messen und Schätzen von Flußbreiten und Baumhöhen. Als goldener Abschluß zeigte Yogi (Ralf Jürgensen) wichtige Knoten und Bünde wie den doppelten Palsteg, ohne den kein Pfadfinder in der Wildnis überleben kann. Alles in allem war dies ein wunderschöner, informativer und wissensbildender Waldläuferlauf. Der Mitternachtsgottesdienst: Samstagnacht um 23.30 Uhr fand ein Mitternachtsgottesdienst für die Älteren des Lagers statt. Im Wesentlichen ging es im Gottesdienst um die Rettung und Bewahrung der göttlichen Schöpfung. Dies wurde sozusagen verbildlicht durch das " Durchspielen des Lebensweges eines Baumes; dieser braucht Jahre, Jahrhunderte, um zu dem zu werden, was man einen “richtigen” Baum nennt. Doch binnen Sekunden wird sein Leben durch rücksichtloses Fällen seitens der Menschen zerstört. Die Schöpfung zu bewahren und bewußt mit ihr zu leben - das war die Botschaft, die StaFü Ralf und die Älterenrunde vermitteln wollten. Zudem wurde das Agapefest gefeiert, wie es Jesu einst mit seinen Jüngern tat. Durch Singen und Besinnung wurde der Gottesdienst zu einem echten “Muß” für alle Lagerteilnehmer. Stammesbestätigung von FvW: Endlich war es soweit ! Der Stamm Fuchs von Wallenburg wurde am Sonntag offiziell in den Landesverband Thüringen des VCP aufgenommen. Er wird hiermit als erster bestätigter Stamm in Thüringen in die Analen der Geschichte eingehen. Bei einer festlichen Zeremonie, bei der auch der Landesbeauftragte für die 5 neuen Länder des VCP Rheinland-Pfalz-Saar anwesend war, wurde Michael, der Landesvorsitzende Thüringens, von Ralf als Pfadfinder aufgenommen. Daraufhin nahm auch Michael einige Aufnahmen innerhalb seines Stammes vor. Bärbel Rau hatte ebenfalls die Ehre, ihrerseits einige Jungen und Mädchen als Jungpfadfinder aufzunehmen. Fest steht auf jeden Fall, daß dieser Augenblick allen Pfadfinderinnen und Pfadfindern nicht nur in Thüringen in ewiger Erinnerung bleiben wird. Umfrage: Um die Meinung der Teilnehmer über das Lager festzustellen, haben wir eine Umfrage mit 20 ausgewählten Personen durchgeführt. Als erstes wollten wir erfahren, wie die Lagereröffnung bei den Teilnehmern ankam. 53.8 % der Befragten hielten sie für gut. 38.5 % dagegen empfanden die Eröffnung als mittelmäßig, und nur eine Minderheit von 7.7 % war enttäuscht. Die zweite Frage beschäftigte sich mit dem Pfadfinderlauf. Ein Viertel der Personen fand diesen sehr gut, und eine überwältigende Mehrheit von 62.5 % hielt ihn für gut. Jeweils 6.25 % empfanden ihn als mittelmäßifg bzw. schlecht. Dann ging es um den Mitternachtsgottesdienst. 72.7 % werden ihn in sehr guter und 18.2 % in guter Erinnerung behalten, und lediglich 9.1 % fanden ihn mittelmäßig. Zum Schluß war das Volleyballturnier gefragt.. Ein knappes Viertel von 21.4 % war vom Spiel und der sportlichen Fairness begeistert, 42.9 % waren angenehm überrascht und wiederum 21.4 % waren gemischter Gefühle. Zu guter Letzt empfanden 14.3 das Turnier als unnötig und schlecht. Der Montag wurde denn dann zum Abbau und zur Abreise genutzt und ein Teilnehmer aus Apfelstädt konnte etwas mehr über Stromzäune und gewisse Körperteile erfahren …

Hendrik Knop & Teile aus Hermännchen on Tour, Die Suuuper-Sonderausgabe zum Pfingstlager 1993 in Trusetal


Waidfest ‘93

Samstag, 25. September 1993

Pfadfinderjurte auf dem Waidfest

Pfadfinderjurte auf dem Waidfest

** Am 25./26. 9. 93 war es endlich wieder soweit das alljährliche Neudietendorfer Waidfest fand statt.**

Doch leider hatte der Veranstalter (Waidverein) die Rechnung ohne das Wetter gemacht , denn während des ersten Festtages ließ sich die Sonne nicht einmal sehen, dadurch hielten sich auch die Besucherzahlen deutlich in Grenzen. Die Leute die sich trotz des schlechten Wetters von zu Hause aufgemacht hatten, sollten das aber dennoch nicht bereuen, denn ihnen wurde ein umfangreiches Programm geboten. Eröffnet wurde das Fest durch einen Umzug der örtlichen Vereine. Anschließend fand eine Vorführung der Waidverarbeitung, wie im Mittelalter, statt bei der die Pfadfinder des VCP-Stamm Drei Gleichen, unter Anleitung von Herrn Wolfgang Feige (einer der Veranstalter und der Wiederentdecker der Waldpflanze und deren Verarbeitung), mitwirkten. Danach gab der Chor des Gymnasiums unter Leitung von Herrn Gorf einige Lieder zum Besten und das nicht ohne Erfolg. Spätestens als Herr John mit seiner Akkordeon- Gruppe für “sonnige” Stimmung sorgte dachte keiner mehr an das schlechte Wetter. Auch sonst wurde den Besuchern eine Menge geboten. Wem es draußen zu naß oder kalt wurde, der konnte sich in das von Schülern und Lehrern eingerichtete Cafe setzen und sich bei Kaffee und Kuchen wieder aufwärmen und die Pfadis verkauften Tee in ihrer aufgebauten Jurte. Am Abend des 25. 9. fand in dem großen Bierzelt ein Tanzabend mit zünftiger Musik statt. Zum Abschluß veranstaltete man am 26.9. noch einen ausgedehnten Frühschoppen. Wenn ihr dieses Jahr aus irgendwelchen Gründen nicht dabei ward und das nun bedauert, keine Panik das nächste Waidfest kommt bestimmt, spätestens im nächsten Jahr!

Marcus Nagel (leicht geändert)


Eine Hütte voller Diskussionen - Impressionen vom Thüringer Courageseminar

Freitag, 26. November 1993

Pro und Contra traten aufeinander: Corageseminar im Pfadfinderheim

Pro und Contra traten aufeinander: Corageseminar im Pfadfinderheim "Kühles Tal" in Friedrichroda

** Friedrichroda, ein hübscher verträumter Kurort im Thüringer Wald, sollte nach, unserer Wahl der Qual der Ort des Geschehens werden. Ein wenig abgelegen, mitten im tiefverschneiten Wald, hatten wir für den 26. bis 28. November 1993 unsere Räumlichkeiten, in einem Pfadfinderheim des Deutschen Pfadfinderverbandes, für unser Seminar gefunden.**

Freitagabend nach der Anreise begannen wir zur Einstimmung auf das Thema „Aggression und Gewalt" mit einem Filmtheaterstück „Die böse Revue" des Kinder- und Jugendtheaters Erfurt „Schotte". In diesem Theaterstück wurde uns das soziale Umfeld von Jugendlichen in der Schule, im Elternhaus und in ihren vielschichtigen Cliquen an Hand von authentischen Begebenheiten in Erfurt durch Laiendarsteller im Alter von 16 bis 19 Jahren komprimiert vor Augen geführt. Dieses kritische Stück sollte Diskussionsgrundlage für unseren weiteren Seminarverlauf werden. Im Anschluß an die Filmvorführung wollten wir uns nicht gleich mit Begriffen wie Gewalt, Rassismus, Nazi, Deutsch und Heimat, bezogen auf diesen Theaterbeitrag, theoretisch auseinandersetzen. Vielmehr wollten wir zunächst dieses Thema spielerisch angehen. Daher versäumten wir nicht, durch Spiele unsere eigenen Vorurteile gegenüber „Asylbewerbern" und unseren persönlichen Umgang mit Gewalt zu ermitteln, so daß nach diesen Spielteil die Diskussion zum gezeigten Film entfachte. Ein jeder von uns verstand nunmehr, wie wichtig grundlegende präzise Kenntnisse über den Rechtsextremismus sind, so daß wir am nächsten Morgen nach einem üppigen Frühstück mit der systematischen Erarbeitung unserer gesetzten Schwerpunkte beginnen konnten. Mühsam ernährt sich nicht nur das Eichhörnchen, nein, auch so mancher Pfadfinder und so manche Pfadfinderin hatte mit diesen Unmengen von theoretischen und praktischen Fakten zu tun, diese zu verdauen. Mit einigen gemütlichen Unterbrechungen, den liebevoll zubereiteten Mahlzeiten unserer Gastgeber, schafften wir unsere Programmpunkte spielend und auch nachhaltig. Nach dem Abendbrot versuchten wir uns bei loderndem Kaminfeuer und einem Glas Wein in der künstlerischen Umsetzung dieses langdiskutierten Themas. Nicht jedem ging es so spontan von der Hand, doch schließlich nach vielen Überlegungen, Probieren und Humor waren die Plakate fertiggestellt und zur Diskussion freigegeben. Dabei war besonders spannend, was ein jeder über des anderen Plakatdarstellung zu sagen wußte - demgegenüber, was der jeweilige Autor zu sagen beabsichtigte. Da wir uns mit der Vorstellung trugen, dieser Plakatwettstreit sollte veröffentlicht werden, entschieden wir gemeinsam, daß diese Plakate innerhalb einer Gesamtschule in Erfurt, wo die Pfadfinderarbeit noch nicht so publik ist, wie sich das eine Pfadfinderin dieser Schule wünschen würde, auszustellen. Anschließend sollen diese Plakate in die VCP-Bundeszentrale, um auch das Voranschreiten der VCP-Arbeit in den Neuen Ländern allen Besuchern der Bundeszentrale zu dokumentieren. Dieser Abend in Friedrichroda war neben einem schwergewichtigen Themenkomplex nicht nur eine geistige Bereicherung in der Auseinandersetzung mit Aggression und Gewalt, vielmehr auch eine persönliche Annäherung der einzelnen Vertreter der verschiedensten Stämme in der noch nicht so üppigen VCP-Landschaft in Thüringen. Die Nacht verging wie im Flug, und die Gespräche wollten nicht abreißen. Auch wenn der Schlaf nur kurz war, aber Morgenstunde hat Gold im Munde, und so verwöhnte uns wieder einmal unsere liebe Gastgeberin Frau Klöppel in ihrer guteingeheizten Küche mit einem ausgezeichneten Frühstück. Während der Essenszeremonie beratschlagten wir über unsere weitere Vorgehensweise. Aufgrund dessen, daß uns unsere Streetworkerin aus Eisenach im Stich gelassen hatte und für diesen Programmausfall noch kein Ersatz geplant war, konnten wir eine Diskussionsrunde zu einem bei Jugendlichen sehr beliebten, aber sehr umstrittenen Lied (Schrei nach Liebe) der Punkgruppe „Die Ärzte" einschieben, zumal dies von der überwiegenden Mehrheit gefordert wurde. Mehrfach erklang das Lied über die Boxen des Kassettenrecorders, bis endlich die Diskussionsrunde in Gang kam. Pro und Contra trafen aufeinander und keine Einigung. Die einen meinten, und sicherlich auch zu Recht, es würde das Thema vom Freitagabend des gezeigten Filmes aufgreifen und nicht nur rechtsextremistisch tendierende Jugendliche ansprechen, da sie sich mit dem Besungenen identifizieren. Aber zugleich auch eine Aufforderung an diese Betreffenden darstellen, diese dargestellten Begebenheiten zu hinterfragen - „Warum tue ich das? - Ist dieser Weg, den ich beschreite, wirklich der Richtige?" Dagegen hielt die andere Gruppe unserer Diskussionsrunde, daß man nicht den Kommerz dabei vergessen dürfte, denn dieses Thema verkauft sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt gut, deshalb fand diese Gesprächsgruppe diesen Titel nur oberflächlich. Zwei nicht von der Hand zu weisende Meinungen, wo wir im Abschluß meinten, diese stehen zu lassen, zumal beide Kriterien schon für die Beurteilung von guter Rockmusik mit von Wichtigkeit seien. In unserer Abschlußrunde kam nochmals zum Ausdruck, daß nicht nur jeder Wissenswertes und ein angenehmes Erlebnis mit nach Hause nimmt, sondern daß auch die nächsten Courage-Seminare 1994 wieder von so guter Atmosphäre und entsprechendem Niveau, zu dem ein jeder beigetragen hatte, sein sollten. (Fortsetzung ist geplant!) Allen Lesern ein Gut Pfad!

Christine Bellinghausen, Auf Neuem Pfad 02/1994

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