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Verband Deutscher Altpfadfindergilden e.V. Gilde Drei Gleichen

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Unser Pfadfinderzentrum

VCP Stamm Drei Gleichen

Zitate

"Jungen und Mädchen lernen als Pfadfinder, eigenständig zu entscheiden und zu handeln, eigene Fähigkeiten zu erkunden und Verantwortung zu übernehmen."
Horst Köhler

Montag, 01. Januar 1996

Auf Stammesfahrt in Tschechien

12. - 14. Januar Teilnahme an der Kinderstufenfreizeit des VCP-Thüringen "Auf zu Burg Rieneck"
24. Februar Feier des Thinking Days im Bürgerhaus Drei Rosen
7. - 14. April Stammesfahrt nach Tschechien
23. - 27. Mai Teilnahme am Pfingstlager des VCP-Thüringen an der Burg Lohra
16. Juni Aufräumaktion in der Johanniskirche (Zeltmaterial, etc.)
30.06. - 13.07. Teilnahme an der Fahrt des VCP-Thüringen in die polnischen Masuren
1. - 10. Juli Teilnahme am Landeslager des VCP-Niedersachsen
August Teilnahme am polnischen Ranger/Roverlager des ZHP in den Beskieden mit vorheriger Fahrradtour mit dem 22 SDHiSH aus Ostrów Wlkp.
10. August Stammesversammlung in der Johanniskirche
13. - 15. September Mitgestaltung des Jugendkirchentag / auf dem Landeskirchentag in Erfurt
27. - 29. September Mitgestaltung des Gemeindefestwochenendes der Neudietendorfer Kirchgemeinde und der Wolfschluger Partnergemeinde
5. Oktober Hajk der Sippe Gazellen um die Drei Gleichen
5. Oktober Besichtigung der Ersten Bündischen Messe auf Burg Ludwigstein
13. - 15. Dezember Teilnahme am Mitarbeiteraufbaukurs des VCP-Thüringen in Erfurt
21. Dezember Weihnachtsfeier
23. Dezember Mitgestaltung der Aktion Friedenslicht via Jena
Dienstag, 02. Januar 1996

"Überzeugungsarbeit für die Pfadfinder" - Teilnehmer des Stamm Drei Gleichen in England 1993

Fünf Jahre deutsche Einheit - das war 1995 Anlaß für viele Berichte und Umfragen in der gesamten Republik. Der VCP hat seit 1991 einen Landesverband in Thüringen, in dem mehrere Stämme aktiv arbeiten. Grund genug also, einen Stamm nach seiner persönlichen Bilanz zu fragen.

Auf dem Weg nach Neudietendorf, das westlich von Erfurt liegt, weiß ich noch nicht, daß der Stamm Drei Gleichen sogar doppelt interessant für »Pfadfinden '96« ist. Eigentlich bin ich unterwegs, um zu erfahren, wie die Arbeit in den »neuen Ländern« vorangeht. Ganz nebenbei erzählen mir die Rover, daß sie ihren Stamm selbst leiten, seit die Erwachsenen aus verschiedenen Gründen ausgeschieden sind. Das Alter meiner Gesprächspartner liegt zwischen 17 und 19 Jahren.
Angefangen hat alles mit einem Lager des VCP-Hessen, das 1991 in Neudietendorf aufgeschlagen wurde. Interesse und Neugier der Jugendlichen im Ort wurden geweckt. Als der Leiter der Christenlehrer nach Interessierten fragte, beschloß man, einfach mal mitzugehen. Viele sind dabei geblieben, »weil's Spaß macht«. Noch im selben Jahr wurde der Stamm gegründet. Auch das Landesbüro befindet sich in Neudietendorf.
1992 ging es dann »so richtig los«, einen Raum für die Gruppenstunden
fand man in der Kirche, das erste Landeslager wurde im sogenannten Fuchsloch veranstaltet, und man begann mit dem Aufbau des Stammes. Als einer der Mitgründer des Stammes aus beruflichen Gründen die Stammesleitung verlassen mußte, gingen nach und nach auch die anderen Erwachsenen. Trotzdem gaben die Jugendlichen nicht auf. Sie übernahmen alle Pflichten selbst. Heute besteht der Stamm Drei Gleichen aus drei Kinder-, vier Pfadfinder und einer Ranger / Rovergruppe.
Ein Ergebnis, auf das alle Beteiligten stolz sein können, denn einfach war es für die »Neu-Pfadfinder« nicht. Zuerst stand man vor der Frage, mit welchen Inhalten man die Gruppenstunden füllen sollte. Die Arbeitshilfen sprachen die Jugendlichen nur teilweise an. Eine kleine Hilfe bot allerdings die Erinnerung an die Pioniere. Auf meine Frage, was sie denn bei den Pionieren so gemacht haben, erhalte ich viele Antworten: Zum einen habe man Spiel- und Sportnachmittage gemacht, Diavorträge gesehen und gehört, Ausflüge und Ferienlager veranstaltet und dabei viel Spaß gehabt. Zum anderen gab es da aber auch den lästigen Frühsport auf Lagern und das Problem, daß man bei den Pionieren immer von den Lehrern umgeben war. »Wenn man die Ideologie mal vergißt, dann war das gar nicht so schlecht«, sinnieren die Ranger / Rover. Nach und nach fanden sie schließlich zu den Inhalten, die sie interessieren, und sagen von sich, sie seien »gesellschaftlich kulturell« orientiert.
Das zweite und weitaus größere Problem war (und ist bis heute), Eltern und Mitmenschen zu überzeugen, daß die neue Kluft nichts mehr mit den Pionieren zu tun hat und daß man auch sehr gut ohne Erwachsene zurechtkommt.
Diese Überzeugungsarbeit ist besonders dann angesagt, wenn es darum geht, Fahrten oder Lager zu veranstalten; denn manche Eltern möchten ihre Kinder eben nur Erwachsenen anvertrauen. Doch das Engagement der Pfadfinder, die sich bei Festen und ähnlichen Anlässen als Helfer anbieten, hat schon viele überzeugt, daß ihre Kinder hier gut aufgehoben sind.
Zum Schluß stelle ich der Runde noch unsere »Jahresfrage«: Was würdet ihr verändern wollen? Erstmal herrscht Stille im Raum, aber dann legen die Jungs los. Zuerst mal würden sie das Bundeslager nicht ständig nach hinten verschieben, außerdem wünschen sie sich mehr themengerechtes Diskutieren - die Machtkämpfe auf Bundesebene sollen doch bitte unterbleiben. Einen neuen Raum wünschen sie sich und daß nicht alles immer nur vom Geld abhängt. Einen Wunsch haben aber alle gemeinsam: Sie wollen die Leute überzeugen, daß der VCP nichts
Schlechtes ist, keine »paramilitärische Organisation«. Daß die Leute nicht auf der Straße anhalten und ihnen hinterherrufen, daß sie wohl »von gestern« sind.

Annegret Bernhardt, Pfadfinden, Jahrbuch 1996 des Ring deutscher Pfadfinderverbände und des Ring Deutscher Pfadfinderinnenverbände

Mittwoch, 03. Januar 1996

Das Zinzendorfhaus in Neudietendorf

,,...wir sind Pfadfinder, darauf kommt's an!" So sehen das jedenfalls die Ranger/Rover ausNeudietendorf in Thüringen, wenn es um das Thema „C" imVCP geht.

Mit der Kirche hatten ja die meisten DDR-Bürger nicht viel im Sinn, versichern mir die Jungs. Aber trotzdem gab es da die sogenannte „Christenlehre". Man hörte Geschichten aus der Bibel, es gab Aktionen wie „Brot für die Welt", und natürlich wurde auch gesungen. Sebastian hat schon bei seinem ersten Besuch derartig Kopfschmerzen vom Singen bekommen, daß er dort nie wieder hingehen wollte. „Überhaupt bin ich von Grund auf Atheist", sagt Sebastian.
Wie paßt das mit dem VCP zusammen? Nun, die VCPer waren einfach die Schnellsten nach der Wende, der Landesverband Hessen schlug 1991 in Neudietendorf für einige Tage sein Lager auf und weckte so in einigen Jugendlichen im Dorf die Neugier an den Pfadfindern. Der Leiter der Christenlehre sprach außerdem die Jungen an, ob sie nicht mal Lust hätten, in die neue Gruppe zu kommen. „Wir sind dann hingegangen und haben gemerkt, daß es uns Spaß macht', erzählen die Pfadis. So sind sie dabeigeblieben und halfen, den „Stamm Drei Gleichen" aufzubauen. Inzwischen sind die Erwachsenen nicht mehr dabei, und die Jugendlichen leiten ihren Stamm selbst.
Der christliche Aspekt bleibt den neuen VCPern natürlich nicht verborgen, denn immerhin halten sie ihre Gruppenstunden in einem Raum in der Kirche ab und helfen dem Pfarrer ab und zu schon mal beim Vorbereiten des Gottesdienstes. Doch wenn sie merken, daß sie „Missionare" für ihre Landsleute spielen sollen, dann ecken sie mit dem Pfarrer an. Schließlich gibt es in ihren eigenen Reihen genug Jugendliche, die die Kirche nur als Gebäude kannten, das im Dorf steht und an dem man die Uhr ablesen kann. Die meisten wissen zwar heute mehr über Kirche, Religion und Christentum als früher, viele können damit aber nicht viel anfangen. Wenn auf Landeslagern Andachten oder Gottesdienste abgehalten werden, dann geht eben nicht jeder hin, manche üben „vornehme Zurückhaltung" - das wird akzeptiert, es gibt keine langen Diskussionen deswegen. In der Runde gibt es aber auch andere Ansichten, manche sind von Religion und Christentum überzeugt, können sich, so sagen sie, mit den Inhalten identifizieren. Sie wissen, daß Glaubende in der ehemaligen DDR nicht gern gesehen waren, und verstehen, wenn manche ihrer Freunde nicht an Gott glauben wollen oder können.
Ich konnte mir - ehrlich gesagt - gar nicht vorstellen, was die Jungs mir da so erzählten. Aber wie sollte ich auch. Wir werden ja damit groß. Unsere Eltern und Großeltern sind (zumeist) Christen, wir haben die Möglichkeit, den Religionsunterricht zu besuchen, wir wurden informiert über das, was in den „Gebäuden mit Uhr" so abläuft. Wir haben kaum die Möglichkeit zu wählen. Erst wenn wir älter sind, machen wir uns Gedanken über Religion und deren Inhalte. Taufe und Konfirmation haben wir dann bereits hinter uns. Die Jugendlichen in den neuen Bundesländern haben vielfach erst nach der Wende Kontakt zur Religion aufgenommen, sie können wählen. Und wie immer sie sich entscheiden, wir sollten es respektieren.
Sebastian, genannt Seppel, ist heute Mitglied im VCP. Weil es für ihn darauf ankommt, daß er ein Pfadfinder ist, und dagegen ist das „C" eben „das kleinere Übel".

Annegret Bernhardt, Auf neuem Pfad, 1/1996

Freitag, 12. Januar 1996

Stamm Roter Fuchs und Stamm Drei Gleichen erobern die Burg Rieneck

Am Januarwochenende vom 12. bis 14. Januar fanden sich Pfadis des Stammes Roter Fuchs (Eisenach) und des Stamm Drei Gleichen (Neudietendorf) in einem Zug wieder, der Richtung Bayern fuhr. Das Ziel konnte natürlich nur die ultimative VCP-Pfadiburg Rieneck sein.

Auf der Burg mit einem siebeneckigen Turm und der Umgebung gab es natürlich jede Menge zu erleben. So war da ein Eröffnungsabend mit einem verzweifelten Regisseur, Gruselgeschichten, Liedern, und Alfons-Zitterbacke-Gute-Nacht-Geschichten, ein Ausflug nach Würzburg, wo im "Nautiland" die Wasserrutsche nicht nur einmal getestet wurde, sich ein FC-Bayern-München-Laden kaum vor Besuchern retten konnte und MC-Donalds wahre Wunder erlebte, eine Aufnahmefeier, wo vier Neupfadis das rotweiße Tuch überreicht bekamen, eine Disco mit jeder Menge Tanzeinlagen sowie ein Geländespiel bei dem es tolle Preise gab. Desweiteren kamen der burgeigene Kickerautomat und die Tischtennisplatten kaum zur Ruhe und die Nächte waren meist lang. Und auch wenn sich nicht alle leiden konnten, wurden auch ein paar Freundschaften geknüpft.

Hendrik Knop

Donnerstag, 23. Mai 1996

Erste Dreierjurte ohne fremde Hilfe: Lagergelände des Pfingstlagers

Auch in diesem Jahr fand vom 23. bis 27. Mai wieder ein Pfingstlager des VCP Thüringen statt, diesmal in der Nähe von Obergebra (Nordthüringen). Unter dem Motto "Es ist nicht alles eitel Gold, was glänzt auf der Sagenburg des Bergfrieds von Lohra" trafen sich rund 60 Pfadis und wißbegierige Pfadi-Interessenten aus Erfurt, Mannstedt, Merkers-Kieselbach, Neudietendiorf, Sollstedt, Suhl und Trusetal.

Während die einen ihre Zelte ziemlich schnell aufgebaut hatten und es dann etwas ruhiger angingen, herrschte bei anderen das totale Chaos, welches bis in die tiefe Nacht anhalten sollte. Auch in diesem Jahr meinte es Petrus besonders gut mit uns. Fast schon hektoliterweise prasselte der Regen auf uns nieder. Doch wie schon bei den ganzen Pfingstlagern zuvor, gewöhnten sich alle Teilnehmer mehr oder weniger schnell an dieses "Prachtwetter". Eine Überraschung wartete auf alle am Freitag - Aufbau einer Dreierjurte bei strömenden Regen! Zunächst erfolgte der Aufbau nur durch ein paar freiwillige Helfer, dann sollten/ mußten die anderen Pfadis ebenfalls freiwillig mithelfen. Bis spät in den Abend wurden Planen gespannt und hier und da ein wenig improvisiert. Als das Zelt endlich stand, waren alle entweder stolz oder heilfroh. Die Thüringer hatten es mit eigener Kraft geschafft, ein derartiges Großraumzelt aufzubauen! Und das ohne bautechnischne Lagerkenntnisse! Eine Meisterleistung schlechthin!
Am nächsten Tag wurde ein großangelegter Geländelauf durch die Hainleite nach Hainrode veranstaltet. Mehrere Gruppen liefen auf einem Naturlehrpfad durch die Hainleite und versuchten, die ihnen gestellten Aufgaben über Natur, Allgemeinwissen, aber auch über die Sage des Schlangenkönigs zu lösen. Dies alles war nötig, um einen sagenumwobenen Schatz finden zu können, der dann auch von allen Gruppen gefunden worden ist. Anschließend konnten sich einige Pfadis auf einem Ponyhof oder auf einem Baggersee austoben. Auf dem Rückweg zum Lager gab es kaum nennenswerte Ereignisse: ein paar Gruppen wurden von einem Unwetter überrascht und eine Gruppe hatte scheinbar leichte Orientierungsprobleme, ein Suchtrupp wurde aber dennoch nicht nötig. Letztendlich gelangten alle überglücklich und vor Nässe triefend im Lager an.
Natürlich gab es auch noch andere Höhepunkte auf dem Pfingstlager. So zum Beispiel die etwas verspätete Lagereröffnung mit dem riesigen Bankett. Da kam es leider zu einigen Tumulten, da etliche Anwesende mit dem modus operandi, der Verteilung des Essens, nicht einverstanden waren. Proteste wurden nicht beachtet, im Gegenteil, es hatte sogar den Anschein, als ob man den protestierenden Pfadis das Reden verbieten wollte. War dies etwa die Rache der Lagerleitung für das unkooperative Verhalten dieser Pfadis beim Zeltaufbau? Als nächstes wäre da die hervorragende Gespensternacht zu nennen. Einzelne Gruppen wurden auf den "Pfad des Schreckens" um die Burg Lohra geführt, bevor sie in ein düsteres Gewölbe mußten, um dort einen Schlüssel zu suchen, der wiederum nötig war, um eine Schatzkiste öffnen zu können. Ein kurzes Schauspiel über die Burg sowie das darauf folgende Treffen der gesangfreudigsten Pfadis und Pfadi-Interessenten, daß bis spät in die Nacht dauerte, krönten diesen Abend. Zuletzt wäre da noch der besinnliche Gottesdienst am Pfingstsonntag zu nennen, der bei der großen Mehrheit einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Stefan Winzer

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